Geschichten aus dem Hexenwald

Liebe Rundbrieflesende,

jeden Monat gehen tolle Geschichten aus der Schreibwerkstatt hervor. Die Teilnehmer können ihrer Fantasie freien Lauf lassen und es entstehen die verschiedensten Geschichten aus verschiedensten Perspektiven und Genres.

Diese kleine, unterhaltsame Geschichte ist ein Ergebnis der letzten Schreibwerkstatt im April, einem Einführungskurs zum Thema Kurzgeschichte und Roman. Alle kommenden Schreibwerkstatt-Termine können Sie gerne unserer Homepage entnehmen.

Und nun, viel Freude beim Lesen!

 

Im Hexenwald war die Eifersucht los

von Heike Schenk

Es war an einem nebeligen Novembertag. Bei Morgengrauen in der Hexenklamm hing ich, Clementine, in meinem Hexenbaum herum. Ich schaute mich um und sah die malerischen Felsenschluchten, die schmalen Pfade mit spektakulären landschaftlichen Ansichten und die verschiedensten Formen von Hexenhäusern mit ihren Vorgärten.

Doch die beschauliche Ruhe wurde leider gestört, denn der Fasan Fynn und das Reh Finja unterhielten sich über die Menschen, die ihren Müll achtlos in Ihrem Wald wegwerfen. Sie waren der Meinung, dass sie den Müll, den sie mitbrachten, wieder mitnehmen oder in die Mülleimer werfen sollten.

Da bemerkte Finja Clementine und ihr fiel ihr trauriges Gesicht mit den nach unten gezogenen Mundwinkeln auf. Finja fragte: „Clementine was ist mit Dir denn los?“.
„Ach lasst mich in Ruhe, geht weiter“
„Jetzt sag schon was bedrückt dich?“
„Heribert der Hexenchef kommt nicht mehr vorbei.“
„Warum denn das?“
„Na, weil Willibald mir öfters was von seiner guten Wurst vorbeibringt. Neulich hat Heribert sogar zu mir gesagt, ich solle mich doch zum Teufel scheren. Weil ich keine Zeit für ihn hatte. Ich hatte etwas mit den anderen Hexen vor.“
„Ach Clementine, das meinte er bestimmt nicht so.“
Fynn und Finja sagten einstimmig: „Wahrscheinlich ist er eifersüchtig auf Willibald“.
„Meint ihr das wirklich? Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber es könnte schon was dran sein. Neulich machte er schon eine komische Bemerkung. Ich dachte schon, da stimmt doch was nicht.“
„Schau, wir zwei beobachten euch schon lange. Ihr neckt euch doch gerne. Was sich neckt, das liebt sich. Komm, wir laufen etwas in unserem schönen Wander- und Naturpark und besprechen, wie es mit euch weitergehen kann.“
Sie ergänzen: „Du könntest doch was Leckeres in deiner Hexenküche zaubern. Nicht gerade etwas mit Fleisch und Wurst, sondern vielleicht etwas mit Reis und Gemüse.“
„Ja eine Gemüselasagne, das isst er gerne“.
„Und dann schaust du Ihn mit deinen großen braunen Augen an, ziehst am besten noch dein hübsches blaues Kleid an und er wird dahin schmelzen.“

Wie jeden Morgen kommt der Hexenchef vorbei. Er läuft auf dem engen Wanderweg hinauf zum Gipfel. Von dort aus hat er einen guten Überblick über seinen Hexenwald.
„Hey Heribert!“, ruft Clementine von Weitem. Ihm fällt sofort das gelbe Kleid auf, welches wie die Sonne strahlt und er sieht wie ihre blonden Haare im Wind wehen.
„Hallo Clementine wie geht es dir?“
„Ach, mir geht es gut. Hast du heute Abend Zeit?“, fragt Clementine.
„Ich habe nichts vor, warum? Hast du denn nicht schon etwas vor, Clementine? Kommt nicht dein Schwarm vorbei?“
„Quatsch, ich habe doch nur Augen für Dich! Ich lade dich heute zum Dinner ein.“
„Ja okay, ich komme vorbei.“

Doch es stellte sich doch nach einiger Zeit heraus, dass Heribert mit den Gefühlen von Clementine spielte. Sie war nicht die einzige Hexe in seinem Wald für die er sich interessierte. „Wenn er noch Augen für andere Hexen hat, ist er für mich gestorben! Und ich bin frei für Willibald. Die Liebe zwischen uns kann beginnen“, dachte Clementine. Und das tat sie auch. Clementine und Willibald lebten von da an glücklich und zufrieden in ihrem kleinen Hexenhaus.

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